WAS IST SORBIT­INTO­LERANZ

 

Facts im Überblick

Man kann auch von einer Sorbitunverträglichkeit oder -Malabsorbtion sprechen.

Sie gehört zu der Gruppe der Kohlenhydratmalabsorptionen (Kohlenhydrate= Zuckermoleküle).

Bei einer Sorbitunverträglichkeit kann das mit der Nahrung aufgenommene Sorbit im Dünndarm nicht oder nur unvollständig verwertet werden. Mit den Nahrungsresten gelangt es weiter in den Dickdarm, wo es von den dort angesiedelten Bakterien verstoffwechselt wird. Dabei entstehen Gase (Methan und Wasserstoff), kurzkettige Fettsäuren und Abfallprodukte, die dann zu Verdauungsbeschwerden führen.  Bei einer Intoleranz reichen selbst kleine Mengen Sorbit  aus, um einen Blähbauch, Pupsen, Bauchschmerzen und Durchfall auszulösen.

KEINE ALLERGIE:

Es handelt sich bei Sorbitintoleranz nicht um eine allergische Reaktion – der Begriff Sorbit-Allergie ist also falsch. Anders als bei einer Allergie wird das Immunsystem  bei einer Sorbitunverträglichkeit nicht aktiv. [1]

 

Verdauung von Sorbit

Was passiert im Körper nach der Aufnahme von Sorbit?

Bevor Kohlenhydrate verwertet werden können, müssen sie in ihre kleinsten Teilchen, in sogenannte Monosaccharide, gespalten werden. Das übernimmt der Dünndarm. Von dort gelangen die Monosaccharide in die Enterozyten (Saumzellen im Dünndarm), dann weiter in die Blutbahn und schließlich über die die Pfortader in die Leber. Bei der Verdauung und dem Transport helfen ganz spezifische Verdauungsenzyme (diese enden üblicherweise auf –ase) und Transportproteine. Die Leber verstoffwechselt dann die Monosaccharide, d.h. sie werden zu Glucose und Fructose umgewandelt, und stellt sie z.B. für die Energiegewinnung bereit.

Funktioniert dieses Transportsystem nicht optimal, sodass der Zucker nicht aufgenommen werden kann, verbleibt er im Darm. Vereinfacht ausgedrückt machen sich dort dann die natürlich vorhandenen Darmbakterien über den Zucker her und bauen ihn ab. Dabei entstehen Kohlendioxid (CO2), Wasserstoff (H2), Methan (CH4) und kurzkettige Fettsäuren (Butyrat, Laktat). Das wiederum führt dann nicht nur zu Blähungen, sondern wirkt auch wasseranziehend und verursacht damit Durchfälle- also die typischen Symptome. Zusätzlich wird vermehrt H2 ausgeatmet, was sich der Arzt beim Test auf eine Intoleranz zu Nutze macht. [2]

 

Mögliche Ursachen für die Verwertungs­störung von Sorbit

  • Ein Enzym, z.B. Laktase oder Sorbitdehydrogenase (=Enzyme, die Sorbit zu Fructose umwandeln), ist nicht aktiv genug oder nicht ausreichend vorhanden
  • Ein Transporter (Transportproteine) ist defekt
  • Der Stoffwechselweg in der Leber ist blockiert
  • Der Transport in das zentrale Nervensystem ist aus irgendeinem Grund beeinträchtigt
  • Die Darmschleimhaut ist beschädigt

 

Symptome und wann sie auftreten

Etwa ein bis drei Stunden nach dem Verzehr von sorbithaltigen Nahrungsmitteln kommt es bei Menschen mit Sorbitintoleranz vor allem zu Blähungen (Meteorismus), Bauchschmerzen und Durchfall (Diarrhoe).

 

Tipps zum Umgang mit Sorbit­intoleranz

Ist eine Sorbitunverträglichkeit diagnostiziert, solltest du Produkte meiden, die Sorbit als Zuckeraustauschstoff enthalten. Besondere Vorsicht ist bei Diabetikernahrungsmitteln sowie bei Light-Produkten geboten. Beachte unbedingt auch, dass in fast allen herkömmlichen Kaugummis und Lutschpastillen Sorbit enthalten ist.

Im Trockenobst ist die Konzentration aufgrund des Wasserverlustes noch höher. So ist die Konzentration etwa in getrockneten Aprikosen gut fünfmal so hoch (4,6 g/100 g) wie in frischen Früchten (0,82 g/100 g).

 

Welche Zusatzstoffe ebenfalls gemieden werden sollten und warum

Wer an einer Sorbitunverträglichkeit leidet, dem wird empfohlen auch Produkte zu meiden, die andere Zuckeraustauschstoffe (Polyole) enthalten wie Mannit (E 421), Isomalt (E 953), Maltit/Maltitol-Sirup (E 965), Lactit (E 966), Xylit (E 967) und Erythrit (E968).

Denn auch diese Stoffe können in höheren Dosierungen (ab ca. 20g) im Darm den Stuhl verflüssigen, so dass es zu einer abführenden Wirkung kommt.

Versteckter Sorbitol ist in Pektin (meist Apfelpektin) enthalten, welches Bestandteil von Marmeladen ist. Daher Achtung, Stachelbeermarmelade mit Pektin enthält also Sorbit, obwohl Stachelbeeren selbst kein Sorbit enthalten. Tipp: Marmeladen selbst kochen und anstatt Gelierzucker Agar Agar verwenden.

Auch Xanthan (E 415) hat bei erhöhtem Verzehr eine abführende Wirkung und sollte bei einer Sorbitontoleranz ebenfalls sparsam aufgenommen werden. Xanthan ist ein Verdickungsmittel, das als Ballaststoff wieder ausgeschieden wird. Es ist ein natürlich vorkommendes Polysaccharid (Mehrfachzucker), das in der Herstellung von Lebensmitteln und Medikamenten verwendet wird. Allerdings ist Xanthan kein reines und ursprüngliches Naturprodukt, da es erst mal industriell hergestellt werden muss. [3]

In meiner Lebensmittelübersicht findest du weitere Angaben zum Sorbitgehalt.

 

Verbreitung von Sorbit­­intoleranz

Bei meinen bisherigen Recherchen konnte ich bislang keine zuverlässigen Zahlen darüber finden, wie viele Menschen von einer Sorbitunverträglichkeit betroffen sind. Ich vermute jedoch, dass die Dunkelziffer höher liegt, als wir aktuell meinen, da diese „Nischenintoleranz“ noch zu unbekannt ist als das sie standardmäßig von Ärzten getestet wird.

Bekannt ist aber, dass die Sorbitintoleranz oft in Kombination mit einer Fructose-Intoleranz (Fruchtzucker-Unverträglichkeit) und/oder Laktoseintoleranz (Milchzucker-Unverträglichkeit) auftritt. [2]

 

Kleines Kredo zum Abschluss

Viele Menschen werden oft übervorsichtig, wenn sie beim Arzt von einer Nahrungsmittelintoleranz erfahren haben. Aber Obacht, die jeweiligen Produkte sind nicht per se Gift. Oft sind geringe Mengen tolerierbar für den Körper. Wir reagieren oft auf „zu viel“ davon. Die individuelle Toleranzgrenze herauszufinden ist die Herausforderung und das erfordert Geduld und Disziplin- das fällt einigen Menschen leichter als anderen.

Bevor du dich daran machst, deine Toleranzgrenze herauszufinden, kann es dir helfen erst einmal Ruhe in deinen Darm zu bringen. Am wichtigsten ist es, dass du möglicherweise bestehende Entzündungen in deinem Darm abheilen lässt. Wie du das machen kannst, erkläre ich dir in meinem Beitrag „Darmkur 1×1“.

Ich würde mich selbst als eher ungeduldigen Menschen beschreiben und als Genussmenschen, dem es manchmal schwer fällt Maß zu halten, wenn etwas gut schmeckt oder der Körper vermeintlich danach lechzt. Gleichzeitig bin ich zum Glück aber sehr diszipliniert, wenn es um mein Wohl geht oder ein Ziel das ich verfolge. Wenn mein Warum stark genug ist, kann ich vieles tolerieren und mich den Umständen anpassen, wenn ich überzeugt bin, dass es mir und meinem Körper hilft, mich besser zu fühlen.

Und ich bin zuversichtlich, dass auch du das schaffen kannst.

 

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Weitere Quellen:

  1. https://www.juvalis.de/apotheke/sorbitintoleranz/
  2. https://www.netdoktor.de/krankheiten/sorbitunvertraeglichkeit/
  3. http://www.foodgroove.de/xanthan/